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Entwicklung
Wie bereits auf unseren Startseiten erwähnt, wären die Erfolge des Vereins in Hinblick auf eine Anerkennung des Westwalls als Flächendenkmal und des damit verbundenen, weitgehenden Beseitigungsstops nicht denkbar, ohne das breit angelegte Bündnis von Menschen aus vielen Disziplinen. Der Naturschutz nimmt hier sicherlich eine gewichtige Rolle ein sowohl durch die Vielzahl seiner Vertreter als auch durch die Vielzahl der Tiere und Pflanzen, für die der ehemalige Westwall Schutz und Heimat bietet.

 

Akteure
Um diese praktische und ideelle Kooperation auch im Innenverhältnis des Vereinsvorstandes zu pflegen, ist der Platz des 2.Vorsitzenden traditionsgemäß einem Vertreter des Naturschutzes vorbehalten.
Diese Funktion wurde in der Vergangenheit bereits von den folgenden Naturschutzorganisationen wahrgenommen:

 

Konkreter Nutzen der Anlagen
Je nach Einzelbetrachtung, können die Westwallrelikte für Tiere und Pflanzen unterschiedlichen Nutzen haben. In geschlossenen Räumen bzw. verschütteten Hohlräumen können Säugetiere wie Fuchs, Dachs, Wildkatze oder gar Luchs ihren Nachwuchs zur Welt bringen.

© T.Stephan


In Spalten können Fledermäuse sowohl im Sommer als auch (seltener) im Winter vor Fressfeinden Schutz finden und ruhen - dies gilt insbesondere für alte Stollensysteme. Stollen bieten auch für seltene Höhlenspinnen oder Falter, Lebensraum und Winterquartier. Wärmeliebende Reptilien nutzen die sonnenexponierten Bunkerdecken oder Schutthalden aus Bunkerbeton - unter denselben Schuttkegeln graben sich zum Winter hin Amphibien in den Boden. Das kalkhaltige Gestein zieht selten gewordene Moose an und bietet im Umfeld der Anlagen die Chance auf den Anblick von Orchideen.

© J.Hagenbuch


In den ausführlichen Beschreibungen der einzelnen Westwall-Bauwerke unseres Mitglieds Patrice Wijnands geht dieser jeweils auch auf die für Flora und Fauna relevante Eignung (siehe "Biotopkartieranleitung für Rheinland-Pfalz" der Firma LökPlan GbR und auch unter http://www.naturschutz.rlp.de ) ein.
Der Naturschutzverein LuNa nutzt einzelne Anlagen, je nach Ausstattung (s.o.) für die Auswilderung von verletzten Salamandern oder Fledermäusen.

© J.Hagenbuch


Eine Gesamtbetrachtung verdient sicherlich die Menge der noch vorhandenen Anlagen, hauptsächlich in Waldgebieten des Pfälzerwaldes, im Bereich der Eifel auch in Offenlandbereichen (Ruinen und Panzersperren): diese Anlagen dienen der Fortbewegung unter geschützten Bedingungen für viele Säugtiere - man spricht von sogenannten Trittsteinbiotopen.
Der BUND hat in den vergangenen Jahren das Projekt "Grüner Wall im Westen" angestoßen um genau diesen Verbund an Biotopen über Kreis und Landesgrenzen hinweg, zu dokumentieren. Mit Projektleiterin Eva Maria Altena ist das Projekt weit gediehen - unterstützt wurde Sie dabei von Seiten des VEWA durch unser Vorstandsmitglied Patrice Wijnands in Bezug auf Fragen der Verkehrssicherungspflicht sowie Bautechnik und Historie.

 

Konfliktpozential mit dem Naturschutz
1) Der Tourismus
Westwall-Tourismus, von so manchem ehrgeizigen Bürgermeister oder Politiker für seine Region heraufbeschworen und mit Steuermitteln finanziert, wird zunehmend zum Problem - ist ein Wanderweg erst einmal eingerichtet, interessiert sich niemand mehr für eine sinnvolle Lenkung von Besuchern (das gilt insbesondere dann, wenn die Projektmittel "verpulvert" sind!) Es ist unschwer zu verstehen, dass in stark frequentierten Teilen, diese Anlagen nicht mehr als Rückzugsgebiet für Tiere angesehen werden können - nachfolgend das Ergebnis einer Google-Suche nach "Westwall-Tourismus":

© VEWA e.V. Bildarchiv

 

"Tourismus zerstört
was er sucht,
indem er es findet."

Zitat: "Der Spiegel" Ausgabe 49a
vom 6.12.2017, Seite 139

 

Streng genommen muss konstatiert werden, dass es Flora und Fauna vor der touristischen Nutzung besser ging weil viele Standorte nahezu unbekannt im Dornröschenschlaf vor sich hin dämmerten! Ein Trost bleibt allerdings - die touristisch in Wert gesetzten Anlagen werden wohl überleben und nicht einem Bagger zum Opfer fallen.


2) Schatzsucher
Gemeint sind hier in erster Linie diejenigen Militariasammler, die ohne behördliche Suchgenehmigung, ihrem zweifelhaften "Hobby" nachgehen: der Suche nach unentdeckten Schätzen des 2.Weltkrieges - ohne jegliche Aussicht auf ein, in irgendeiner Weise finanziell lohnendes Fundstück - es ist nichts mehr zu finden!
Beträchtlich sind aber die Sachschäden, die dieser Personenkreis an Verkehrssicherungsmaßnahmen von Gemeinden und privaten Organisationen anrichten: Abgeflexste Geländer, aufgebrochene Stollentüren und Gitter und die Beschädigung historischer Strukturen. Der Schaden für die Natur: Störung von überwinternden Fledermäusen (Stress für die regungslosen aber wahrnehmenden Tiere und das Aufbrauchen der Fettreserven) sowie das Zertreten von schlafenden Amphibien im Untergrund und vieles mehr.
Diese "Glücksritter" muss man den Behörden melden und sie anzeigen! (siehe Blogbeitrag "Plünderung" )

Zu einer Anderen, weitaus harmloseren Sorte Glücksritter gehören die "Geo-Cacher", die die sogenannten "Caches" also kleine Schätze im Gelände verstecken. Dafür eignen sich natürlich hervorragend Vogelnistkästen, Spechtlöcher (beides verboten) - aber eben auch Stollen und Bunker des Westwalls. Abgesehen von der Hinleitung zu potentiellen Gefahrenpunkten, die ein Außenstehender nicht ohne Weiteres an und um die Anlagen als solche erkennen kann, nimmt man hier unsensibel die ganzjährige Beunruhigung und Störung von Wildtieren in Kauf.


Verkehrssicherungspflicht (und ihre Grenzen)

Der VEWA hat viel Zeit mit diesem Thema, welches von Anfang an wie ein Damokles-Schwert über den Köpfen der Verantwortlichen hing, verbracht - deshalb sei an dieser Stelle zunächst auf die Empfehlung verwiesen, die der Verein erarbeitet hat (siehe "Positionspapier zur Verkehrssicherungspflicht" ).
Nur kurz: die Hauptsicherungsmaßnahmen um ein Betreten der Anlagen auszuschließen, waren und sind Zäune. Die erste Generation ist von Rost und umfallenden Bäumen schon so weit in Mitleidenschaft gezogen, dass sie bereits selbst als Gefahrenquelle einzustufen sind! Bei der neuen Zaungeneration ist Vorsorge getroffen, dass im Wald umherstreifende zweijährige Kinder nicht unter den Zäunen hindurchschlüpfen können. Leider gilt dies dann in der Konsequenz für all die Säugetiere, denen man hier den Zugang zu diesen Bunker-Biotopen ermöglichen wollte. Schon allein die Baumaßnahmen stellen einen weitgehenden Eingriff in den Naturhaushalt dar (Baumfällungen, Erdbewegungen, Verdichtung des Untergrundes, Veränderung von Licht- und Feuchtigkeitsverhältnissen).

 

© J.Hagenbuch


Forst- und Landwirtschaft
Dass unser Wald nicht mehr allein die Heimat von Rotkäppchens Großmutter und Bambi ist, sondern zum Wirtschaftswald mutiert ist, dürfte jedem klar sein - für die im Forst Beschäftigten herrschen Zeitdruck, finanzieller Erfolgsdruck und die Konsequenz immer effizientere Großmaschinen zur Holzernte einzusetzen. Auf der Strecke bleiben für die Historiker: Laufgräben-Systeme, die mit Holzabraum verfüllt werden oder der besseren Zugänglichkeit wegen, zugeschoben werden - aber auch Kleinbauwerke wie z.B. Kochbunker oder Schaltstellen der einstigen Fernsprechkabeln, die sog. "Kabelbrunnen", sind betroffen. Für den Naturschutz bedeutet diese Wirtschaftsweise gleichfalls einen Verlust, durch Veränderung der Bodenstruktur (Verdichtung-Staunässe), Überfahren von überwinternden Amphibien in den Bodenschichten, Fällen von stehenden Totholzbäumen (Fahrgassen) etc.

© W.Stutterich


Die Forstverwaltung verwendet aus Kostengründen so genannte "Knotengitter-Zäune" - ursprünglich dazu gedacht um Rehwild von Neupflanzungen abzuhalten - leider immer noch zur Sicherung von Bunkerruinen. Nachgewiesenermaßen verheddern sich aber immer wieder Säugetiere in diesen Zäunen, darunter auch besonders geschützte Wildkatzen, die dann jämmerlich zugrunde gehen. Im Bereich der Landwirtschaft wurden bereits kurz nach Kriegsende fast alle Bunker-"Hindernisse" beseitigt um die Ernährung der Bevölkerung sicherzustellen (siehe "Verein übernimmt letzten Bunker in der Ebene" ) - nach wie vor werden die Anlagen aber gerne als Abfallgruben missbraucht!


Fragwürdige Maßnahmen
Auf dem Höhepunkt der Beseitigungswelle entwickelte die BImA (Bundesanstalt für Immobilien) teilweise große Phantasie um die Zerkleinerung und darauf folgende Übererdung von "weit vom Schuss" gelegenen Anlagen zu rechtfertigen. Diese Praxis wurde zum Glück mittlerweile eingestellt, denn wenn man hier von einem Nutzen für die Natur sprechen kann, dann gehören hier bestenfalls Amphibien und Füchse zu den wenigen Gewinnern. Die Lehre aus dieser Fehlentwicklung : Hände weg von den Bauwerken!

© J.Hagenbuch

 

 

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