Verein zur Erhaltung der Westwall-Anlagen (VEWA e.V.)
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Vom Festen Platz zur linearen Befestigung - Denkmalwert der Armierungsstellung Germersheim

Karte der Armierungsstellung Germersheim

1914, zu Beginn des ersten Weltkrieges, wurde zur Verstärkung der Festung Germersheim eine Armierungsstellung geplant und gebaut. Dieser Armierungsgürtel zog sich von Mechtersheim bis Hördt in einem Halbkreis um Germersheim und Bestand aus Infanteriestützpunkten, Artilleriestellungen, Munitionsräumen und Infanterieräumen.
Die Festung Germersheim, erbaut zwischen 1834 bis 1861, war zu Beginn eine moderne Festung, zum Ende der Bauarbeiten aber schon veraltet, da die Entwicklung der Waffentechnik, besonders der Artillerie, rasant vorangeschritten war. Die Armierungsstellung war der Ersatz für den schon 1860 geforderten erweiterten Fortgürtel, der zwar geplant, aber nie gebaut wurde. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870-1871 verlagerte sich der Fokus für Festungsbauten auf die neuen Reichslande Elsass und Lothringen und Germersheim rückte in die zweite Reihe. Das Königreich Bayern stellte ab 1905 Überlegungen an, was mit der Festung Germersheim geschehen sollte. Die Überlegungen reichten von Modernisierung über Öffnung bis hin zu einer feldmäßigen Stellung, die im Falle einer Mobilmachung hätte angelegt werden sollen, um gegnerische Truppen in größerem Abstand von der Festung aufhalten zu können. Der strategisch wichtige Bahnübergang über den Rhein bei Germersheim war der Grund, warum man sich gegen die Offenlassung entschied, man wählte aber mit der Armierungsstellung die kostengünstigere Variante. 1914 konnte man unter den Vorzeichen des herannahenden Krieges auf fertige Pläne zurückgreifen und mit dem Kriegseintritt des Deutschen Reiches mit dem Bau der Stellung beginnen. Schon während des ersten Weltkrieges begann man mit dem Rückbau der Stellungen, nach dem Krieg wurden die betonierten Unterstände geschleift. In den Wäldern zwischen Bellheim und Westheim sowie in den Rheinauen bei Hördt haben sich aber bis heute Reste dieser Bauwerke und Stellungen erhalten.
Der VEWA e.V. hat in den letzten eineinhalb Jahren seine Expertise aus der Dokumentation des Westwalls genutzt, und die Reste der Armierungsstellung im Gelände gesucht sowie die Standorte dokumentiert. Diese Festungsreste bilden in Deutschland einen einmaligen Befund. Sie sind ein einzigartiges festungshistorisches Dokument sowie ein Dokument der jüngeren Deutschen und Europäischen Geschichte. Im Gegensatz zur Festung Germersheim oder dem Westwall stehen die Reste der Armierungsstellung nicht unter Denkmalschutz.
Obwohl dem VEWA e.V. einzelne Reste der Stellung schon länger bekannt waren, ist uns erst in den letzten 1,5 Jahren die Bedeutung dieser Relikte deutlich geworden. Sie schließt die festungshistorische Lücke zwischen der bayrischen Festung Germersheim und dem Westwall. Die Armierungsstellung ist das Bindeglied zwischen der Festung als ?Fester Platz" hin zu einer linearen Streckenbefestigung mit geschlossenem Gefechtsfeld. Nach unserem Kenntnisstand ist der Befund von erhaltenen Stellungen aus der Zeit des 1. Weltkrieges auf deutschen Boden einmalig. In und um Germersheim hat sich ein Ensemble von fast 300 Jahren Festungsgeschichte erhalten, welches über die französische Queichlinie, die bayrische Festung Germersheim, die Armierungsstellung aus der Zeit des Deutschen Reichs, über den Westwall bis hin zu Relikten des Kalten Krieges (NIKE Stellung Germersheim) auf kleinem Raum anschaulich Festungsbaugeschichte zeigt.
Mit unserer Arbeit möchten wir erreichen, dass die Reste der Armierungsstellung unter Denkmalschutz gestellt werden.

Alexander Stein - VEWA e.V.

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